Joe Okada: Der letzte Samurai

Erlebe eine Tour durch Kyoto mit einem echten Samurai

von Ignatius Koh   

Als er vor mehr als 58 Jahren als Taxifahrer in den USA gearbeitet hat, wäre Joe Okada wohl nie auf die Idee gekommen, dass er eines Tages ein Samurai-Schwert schwingender Reiseleiter werden würde.

Mit dem Spitznamen "der letzte Samurai Japans" versehen ist Okada mit stolzen 89 Jahren der älteste Tourguide Japans. Zwar hatte er schon früher teilweise als Reiseführer gearbeitet, zog aber iim Jahre 1960 nach Los Angeles, um dort sein Englisch zu verbessern. Während also seine Karriere als Guide sich schon 56 Jahre zieht, erlernte er die Kunst des Schwertkampfes erst vor etwa 35 Jahren und hat seitdem hunderte von Obst- und Gemüsesorten zerschnitten.

"Jeder kann japanische Traditionen erklären, aber die Techniken der Samurai sind nicht leicht - das ist Kunst", sagt der in Kyoto lebende Okada, dessen Highlight bei jeder Tour das Zerschneiden einer Wassermelone ist - auf dem Bauch einer der Teilnehmer!

Früher hatte Okada für eine Firma gearbeitet, aber dann schnell gemerkt, dass er gerne seine ganz eigenen Touren kreieren würde.

Okada kann auf eine große Anzahl von Touren zurückblicken.
Okada kann auf eine große Anzahl von Touren zurückblicken. (Foto: Ignatius Koh)

Auch bevor Okada angefangen hat, selbst ein Katana Schwert zu benutzen, hatte er das Samurai Thema immer gerne in seine Touren mit eingebaut - damals mietete er dafür noch professionelle Schwertkämpfer an. Unglücklicherweise konnte einer dann plötzlich aufgrund einer Verletzung nicht teilnehmen - und so griff Okada kurzerhand selbst zum Schwert.

"Ich konnte den Touristen etwas zeigen, das ihnen gefallen hat", sagt Okada, der der Ansicht ist, dass Schwerter eine tolle Möglichkeit bieten "zu überraschen und zu unterhalten".

Mit dem täglichen Training wurden Okadas Touren zusehends beliebter, bis er sich schließlich sogar in einigen amerikanischen Talkshows wiederfand, wo er unter anderem Neil Armstrong traf!

Dennoch ist sein Job nicht immer einfach: Okada hat keine Scheu zuzugeben, dass eine seine Vorstellungen für eine Teilnehmerin mit einem Schnitt und ein paar Stichen endete. Er sagt dazu, dass besagte Dame nicht aufhören konnte, zu lachen, weswegen die Wassermelone auf ihrem Bauch wegrutschte.

Okada zerschneidet einen Rettich, den eine Teilnehmerin hält.
Okada zerschneidet einen Rettich, den eine Teilnehmerin hält. (Foto: Ignatius Koh)

“Ich enthalte den Teilnehmern nichts vor. Ich erzähle diese Geschichte zu Beginn jeder Tour und die Dame und ich sind gute Freunde geworden", sagt Okada.

Okadas aktuelle Tour führt die Teilnehmer vom Rathaus Kyotos über kleine Straßen vorbei an zahlreichen Handwerkerläden. Die Ladenbesitzer kennen Okada persönlich und sind an die vielen Touristen gewohnt, die ihre Kalligrafie-, Kunst- oder Schmuckgeschäfte besuchen.

Die insgesamt fünf Stunden lange Tour wird schließlich mit Okadas Schwert-Show am Shimogyo Schrein abgerundet und endet am Kaiserpalast Kyoto.

Kostprobe in einem Laden auf der Tour.
Kostprobe in einem Laden auf der Tour. (Foto: Ignatius Koh)

Jährlich führt Okada 50 reguläre Touren am Samstag und 50 private Touren unter der Woche. Bis heute hat er keinerlei Ambitionen, in Rente zu gehen, und ist stolz darauf, dass er bisher noch keine einzige seiner Touren hatte absagen müssen.

Auf die Frage, ob er nicht irgendwann doch in seinen verdienten Ruhestand gehen möchte, sagt Okada: "Ich möchte weitermachen, bis ich sterbe".

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Fabienne

Fabienne @fabienne.machner

I am a passionate writer who loves Japan and enjoys traveling and meeting new people.

Original von Ignatius Koh

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