Das Hiroshima Friedensmuseum

Ein Pflichtbesuch in Hiroshima

von Paul Walsh   

Hinweis

Zum Gedenken an den 75. Jahrestag des Atombombenangriffs auf Hiroshima wurde eine virtuelle Tour durch das Museum und den Friedenspark veröffentlicht.

Aktuelles über Friedensmuseum Hiroshima

Das Friedensmuseum befindet sich am Südende des Friedensparks in Hiroshima. Das beeindruckende Museumsgebäude aus Beton und Glas erhebt sich auf mächtigen Pfeilern über den Boden. Im Jahre 1955 wurde es als Teil des vom Architekten Kenzo Tange entworfenen Designs für ein Friedenszentrum gebaut. Es wird jährlich von mehr als einer Million Menschen aus Japan und aus der ganzen Welt besucht, die etwas über den Atombombenabwurf am 6. August 1945 und dessen Nachwirkungen erfahren wollen.

Das Museum ist in zwei Bereiche aufgeteilt, dem Ostflügel und dem Westflügel.

Im Ostflügel im unteren Stockwerk wird zuerst die Stadtgeschichte Hiroshimas und die Entwicklung der Stadt zu einem militärischen Zentrum in den Jahrzehnten vor dem Zweiten Weltkrieg dargestellt. Weiterhin wird das Leben in Hiroshima während des Krieges erläutert. Darauffolgend liegt der Schwerpunkt auf den Entscheidungen zum Abwurf der Atombombe. In der nächsten Abteilung geben Modelle der Stadt vor und nach der Explosion der Atombombe einen Eindruck von der gewaltigen Zerstörung.

Im oberen Stockwerk werden der Wiederaufbau der Stadt und die Widrigkeiten, mit denen die Überlebenden (hibakusha) seitdem konfrontiert sind, veranschaulicht. Abschließend wird die aktuelle Bedrohung durch nukleare Waffen und Hiroshimas Einsatz für deren Abschaffung verdeutlicht.

Die Ausstellung im Westflügel verdeutlicht den direkten Schaden, den die Atombombe angerichtet hat und zeigt die dauerhaften Gesundheitsschäden durch die freigesetzte nukleare Strahlung. Es gibt zahlreiche Vitrinen, die Besitztümer der Opfer, Fotos und andere Gegenstände zeigen. Die Exponate verdeutlichen den Schrecken des Atombombenabwurfs und das Entsetzen in den darauf folgenden Tagen. Die Erläuterungen neben den Exponaten, wie zum Beispiel zerrissene Schuluniformen und geschmolzenes Spielzeug, geben diesem grauenvollen Ereignis eine menschliche Dimension, sodass Besucher das Museum betroffen und oftmals weinend verlassen.

Außerdem gibt es detailreiche Schilderungen von Überlebenden der Explosion, die dann aber in den Monaten und Jahren danach an den Folgen der freigesetzten nuklearen Strahlung starben. Dazu gehört auch die traurige, aber auch inspirierende Geschichte von Sadako Sasaki und ihren Papierkranichen.

Vor dem Ausgang gibt es noch ein paar Videostationen, wo du den Schilderungen von Überlebenden und ihren Erfahrungen zuhören kannst. Außerdem gibt es von dort einen guten Ausblick auf den Friedensplatz mit dem Zenotaph und dem Atombombendom im Hintergrund.

Im Erdgeschoss gibt es wechselnde Ausstellungen, eine Vitrine mit kürzlich von Angehörigen der Opfer gespendeten Ausstellungsstücken und eine Bibliothek mit englischen Büchern und Videos (der Zugang ist kostenfrei).

Zweifellos kann man den Besuch des Museums nicht einfach als unterhaltsam bezeichnen. Allerdings sind die Geschichte des Atombombenabwurfs und dessen Nachwirkungen der wichtigste Grund für viele Reisende, Hiroshima zu besuchen. Ein Besuch im Friedensmuseum ist daher, so verstörend es auch sein mag, ein sehr wertvolles Erlebnis. Auch Hoffnung lässt sich dort finden, denn Hiroshima hat es geschafft, sich von dieser als unüberwindbar eingestuften Situation zu erholen.

Das Museum dient nicht nur zur Bewahrung und Sicherung der Erfahrungen dieses Ereignisses und dem Gedenken der Opfer, sondern es wirbt auch für die Abschaffung von Atomwaffen, um die Wiederholung dieser Erfahrung zu verhindern. Hiroshimas Willen, diese Botschaft in die Welt zu tragen, zeigt sich auch am symbolischen gerigen Eintrittspreis für das Museum.

Das Friedensmuseum ist kein Museum, das man schnell durchlaufen sollte und es ist nicht unüblich, dass Besucher hier drei bis vier Stunden verbringen.

Die Ausstellungsstücke sind sehr gut auf Englisch erläutert, aber man kann zusätzlich einen Audioguide für 300 Yen ausleihen. Die Erläuterungen vom Audioguide sind besonders im Westflügel wertvoll, wo zusätzliche Informationen zu den Ausstellungsstücken gegeben werden.

Auf welcher Route auch immer du dich durch das Museum bewegst, auf jeden Fall kannst du dir zum Verarbeiten der Eindrücke ein paar Minuten Auszeit im Lounge-Bereich zwischen den zwei Gebäudeflügeln nehmen.

Es gibt auch einen Buchladen, der zahlreiche Publikationen sowie T-Shirts und Postkarten anbietet.

Manche Besucher aus dem Ausland sind besorgt darüber, wie sie wahrgenommen werden. Sie sind daher beim Kontakt mit den freiwilligen Museumsführern eher zurückhaltend. Aber wie mit fast überall in Hiroshima wirst du auch hier feststellen, dass dich niemand verurteilt. Stattdessen sind alle sehr erfreut darüber, dass du dich mit der Tragödie von Hiroshima auseinandersetzt.

Natürlich ist es auch in Ordnung, wenn du das Museum lieber für dich alleine in deinem eigenen Tempo und ohne die Begleitung eines Museumsführers erschließen möchtest.

Direkt nach dem Museumsbesuch in das Stadtleben zurückzukehren kann eine sehr irritierende Erfahrung sein. Daher sei dir empfohlen, nach dem Museumsbesuch noch etwas Zeit im Friedenspark zum Verarbeiten des Erlebten zu verbringen. Es kann sein, dass du dort von japanischen Schulkindern angesprochen wirst, die ihre Englisch- Kenntnisse testen wollen. Sie stellen dir ein paar einfache Fragen auf Englisch stellen und ihr Gekicher dabei ist ansteckend und kann dir dabei helfen, deine Stimmung zu heben.

Zuletzt rate ich dir dringend davon ab, dich nach dem Besuch in dein Hotelzimmer zurückzuziehen. Geh nach der notwendigen Verarbeitung des Gesehenen besser raus in die Stadt, iss und trink etwa und komm in Kontakt mit den Bewohnern von Hiroshima. Nur so kannst du wirklich verstehen und schätzen lernen, was für ein besonderer Ort Hiroshima ist.

Webseite:

hpmmuseum.jp

Anfahrt

1-2 Nakajimacho, Naka Ward, Hiroshima, 730-0811

Mehr Informationen

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Johannes Budkiewitz

Johannes Budkiewitz @johannes.budkiewitz

Original von Paul Walsh

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